Das Gesicht der Post

Über Generationen hinweg gleich neben dem Rathaus

 

Trara, die Post ist da! Von weitem hört man schon den Ton, sein Liedchen bläst der Postillion …“, so beginnt ein bekanntes Lied auf die Post. Den Text zu dem Volks- und Kinderlied verfasste Johann Rudolf Sigismund Löwenstein, ein deutscher humoristischer und politischer Schriftsteller jüdischer Herkunft, bereits im Jahre 1846. Ein Lied aus einer Zeit, die man sich heutzutage eigentlich nicht mehr vorstellen kann. Eine Zeit, wo Briefe länger als eine Woche unterwegs waren.

Der Postschaffner Franz Xaver Kempf beförderte in den Jahren 1907 bis 1930 täglich von Seelbach aus per Kariolpost (Postkutschenfahrten) Postsendungen und Reisende ins obere Schuttertal. In Dörlinbach machte er an der Posthilfestation direkt neben dem Rathaus Halt.

Und über Land konnte es im 19. Jahrhundert auch schon mal mehrere Wochen dauern, bis die Post beim Empfänger ankam. Umso größer war dann auch die Freude, wenn seinerzeit ein Brief oder ein Paket erfolgreich zugestellt werden konnte. Zu beginn des 20. Jahrhunderts war für die Zustellung von Briefen und Paketen nach Dörlinbach Franz Xaver Kempf zuständig. Der Postschaffner beförderte in den Jahren 1907 bis 1930 täglich von Seelbach aus per Kariolpost (Postkutschenfahrten) Postsendungen und Reisende ins obere Schuttertal.

Im Eingangsbereich des vergrößerten Lebensmittelladens wurde eine Postfiliale integriert.
Spalier stehen vor der Dörlinbacher Posthilfestelle: Theresia Faißt, Maria Billharz, Sofie Faißt, Wilhelm Meßner, Paulina Faißt und Adolf Billharz.

Posthalter von 1955 bis 1976

Abgeliefert hatte Kempf die Postsendungen bei der Posthilfestelle an der Hauptdurchgangsstraße in Dörlinbach, wo bis heute Briefe und Pakete aufgegeben werden können. Genauer gesagt im später hinzugekommenen Anbau. Inhaber der Posthilfestelle waren damals zunächst der Maurer Anton Faißt (1880 bis 1918) und dessen Ehefrau Thekla, eine geborene Schätzle (1882 bis 1955). Die Eheleute hatten fünf Kinder, von denen die Älteste Karolina (1911 bis 1912), der Zweitjüngste Anton starb mit vier Monaten im Jahre 1917. Der Mittlere Matthias (1914 bis 1844) fiel im Zweiten Weltkrieg in Lettland. Die Jüngste Paulina (1919 bis 1981) starb im Oktober 1981 in Lahr. Nur die Zweitälteste Maria Theresia (1912 bis 1971) heiratete. Den Bund fürs Leben schloss sie am 25. August 1945 mit Anton Griesbaum (1911 bis 1987), der sich schon bald ein großes Ansehen im Ort als Posthalter von Dörlinbach erarbeitete.

Zurück aus Kriegsgefangenschaft arbeitete Anton Griesbaum zunächst in seinem erlernten Beruf als Korbmacher und später in seinem eigenen Lebensmittelgeschäft, wo sich auch die Posthilfestelle befand. Ins dortige „Posthaus“ verschlug es ihn nämlich durch seine Ehe mit der „Post’ler-Tochter“ Theresia. 1955 kam dann eine ganz neue Herausforderung auf Griesbaum zu. Zunächst betreute er die damalige Poststelle II als Teilbeschäftigter. Sieben Jahre später wurde daraus eine Vollbeschäftigung als Leiter der Poststelle Dörlinbach. Griesbaum avancierte im Ort zu dem „Gesicht der Post“ schlechthin.

Die Tätigkeit als Leiter der Dörlinbacher Poststelle übte er schließlich bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1976 aus. Und er sorgte kurz zuvor auch noch dafür, dass der Gang zur Post auch nach der Gemeindereform im Jahre 1974 in das vertraute Haus an der Hauptstraße gleich neben dem Rathaus erfolgen konnte. Für die notwendig gewordene Erweiterung der Poststelle stellte Griesbaum das erforderliche Gelände zur Verfügung. Das Postamt Dörlinbach konnte somit an gewohnter Stelle den neuzeitlichen Anforderungen gerecht werden.

Auch radsportlich lange aktiv

Dörlinbachs einstiger Posthalter war allseits beliebt und nahm auch rege am örtlichen Vereinsleben teil. Unter anderem war Griesbaum von 1931 bis 1958 als aktiver Musiker in der Trachtenkapelle aktiv. Sechs Jahre arbeitete er auch in der Verwaltung des Musikvereins mit, zu dessen Ehrenmitglied er im Jahre 1977 ernannt wurde. Aktiv war Anton Griesbaum auch in der Freiwilligen Feuerwehr, der er seit 1946 angehörte. Auch bei den Floriansjüngern brachte er sich in die Verwaltungsarbeit ein. Zehn Jahre war er Mitglied der Verwaltung. Auch im ältesten Verein des Ortes engagierte sich Anton Griesbaum. Schon im jugendlichen Alter gehörte er dem Radfahrverein als aktiver Radfahrer an. Über viele Jahrzehnte hinweg nahm er an radsportlichen Veranstaltungen für den Verein teil.

Inzwischen gibt es die separate Poststelle nicht mehr. Dennoch können die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin Briefe und Päckchen aufgeben oder beispielsweise Briefmarken kaufen und andere Postgeschäfte erledigen. Möglich wurde dies, weil im Lebensmittelladen, der sich mittlerweile auch auf die ehemalige Poststelle ausdehnt, im Eingangsbereich eine Postfiliale integriert wurde. Postfiliale und Lebensmittelladen werden von Antons Schwiegertocher Erika Erna, eine geborene Winterer (geboren 1948), und deren Sohn Jochen Griesbaum (geboren 1972) betrieben.

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