Das schwarze Schaf

Seit über 50 Jahren kommen im Dobel Lämmer zur Welt

Im Ortsbild Dörlinbachs gibt es vielerlei Tiere. Dazu zählen auch Schafe. Der Anblick von Schafherden auf Wanderschaft hat jedoch merklich abgenommen. Doch gerade in Hanglage sieht man immer wieder einzelne Schafe als tierische Rasenmäher. Aber in einer Ecke des Dorfes sind heute noch Schafe mehr als präsent. Denn wer zu Agathe und Josef Kaspar will, wo eben die Schafe zu Hause sind, betritt eine andere Welt. Diese beschrieb Christine Bohnert-Seidel im Januar 2019 wie folgt:

Januar 2019: Agathe Kaspar mit „Bella“.

Der landwirtschaftliche Hof liegt oben auf dem Dobel und lässt den Blick hinunter ins Tal schweifen. Die Ruhe wird lediglich von einem Blöcken der Schafe unterbrochen. Der Hof wirkt wie aus dem Ei gepellt. Der Winter ist mit seiner eigenen Ruhe eingekehrt. Aus dem Stall dringt ein leises zufriedenes Muhen. Vier Paar Kuhaugen richten sich auf ein kleines schwarzes Bündel, das sich im Heu eine kleine Kuhle gebettet hat. Jetzt kommt Leben in das schlafende Fellknäuel. Josef Kaspar hält in seiner Hand eine Milchflasche. Randvoll bis zum Sauger. Gewärmt, frisch zubereitet ist die Köstlichkeit von Ehefrau Agathe.

Januar 2019: „Bella“bei den Kühen zu Gast.
Januar 2019: Josef Kaspar gibt „Bella“ die Flasche.

Vor drei Wochen ist Bella geboren worden. Das Mutterschaf hat es nicht geschafft. „Wir haben alles probiert“; sagt Agathe Kaspar traurig. Seitdem übernimmt die Familie im Wechsel die Fütterung des kleinen Lämmchens. Leider übernähmen andere Mutterschafe nicht die Versorgung eines weiteren Lämmchens. „Irgendwie hat es die Tierwelt nicht eingerichtet“, erklärt Agathe Kaspar. Manch einer hätte die kleine Bella aufgegeben. „Sie schafft es ohnehin nicht“, war zu hören. Aber jene kannten den Willen von Agathe und Josef Kaspar nicht. Sohn Philipp übernimmt morgens um 6.30 Uhr die erste Fütterung.

Dass es die kleine Bella geschafft hat, liegt wohl an der liebevollen Pflege. Alle drei bis vier Stunden gibt es zwei bis drei Fläschchen. „Sie hat ganz schön Appetit“, freut sich Josef Kaspar. Vor einer Stunde ist er mit dem Wirbelwind von einem Spaziergang zurückgekehrt. „Sie folgt mir auf Schritt und Tritt.“, lacht Josef Kaspar fröhlich. Selbstverständlich folgt sie auch hin und wieder in die Küche, die direkt neben dem Stall liegt und in der vor allem die Spezialmilch aus Milchpulver zubereitet wird. „Unserer Bella soll es an nichts fehlen“, so Josef Kaspar.

Seit einem halben Jahrhundert fühlen sich auf dem Hof Schafe pudelwohl. Den Anfang machten drei Schafe. Heute erfreuen sich neun Muttertiere und ein Bock an der grünen Wiese. Im Winter schmeckt ihnen Kleie. Es waren eher praktische Gründe, die Josef Kaspar vor 50 Jahren zur Entscheidung einer Schafhaltung getrieben haben. Sein Blick schweift hinüber auf die steile Hanglage. Zu beschwerlich und umständlich war das Mähen. Jetzt zeigen Hütten und fließendes Wasser auf das gute Zuhause der Schafe und ihre Lämmer. Besser und vor allem ökologischer als mit Schafen ließe sich dieses Gelände ohnehin nicht bearbeiten. In all den Jahren habe es schon das ein oder andere dunkle Schaf gegeben, aber so schwarz wie Bella war noch kein Lamm. Bella stupst sich in die Hand von Josef Kaspar. Gierig schmatzt sie vor sich hin. Keine Minute dauert es und die Flasche ist ratzeputz leer. Zurück bleibt ein zufriedenes leises Blöcken. Bis im April/Mai wird die kleine Bella von der großen Herde separat gehalten. Sie soll kräftig und stark werden. Ein Wohnrecht auf Lebenszeit ist ihr auf dem Hof auf jeden Fall garantiert. „Mag kommen, was will die Bella geben wir nicht mehr her“, sagt Josef Kaspar und freut sich schon auf den nächsten Spaziergang mit seinem Lamm über den Dobel. Aber jetzt muss sie erst einmal das warme Schöppchen setzen lassen und schläft eine Runde in ihrer Kuhle im Heu. Dabei werfen die Kühe ein liebevolles wachsames Auge auf ihren Schützling.

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