Alt-Bürgermeister Josef Billharz (1911 bis 2004)

Am Tag vor seinem 93. Geburtstag verabschiedete sich der letzte Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Dörlinbach für immer. Im Jahre 1957 wurde Josef Billharz zum ersten Mal zum Bürgermeister von Dörlinbach gewählt. Zwar wurde Billharz bei seiner Wiederwahl im Jahre 1965 für zwölf Jahre gewählt, aber vier Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit kam es zu einer entscheidenden Veränderung für den Ort Dörlinbach.

Alt-Bürgermeister Josef Billharz im April 2001.

Im Zuge der Gemeindereform schlossen sich die bis dahin eigenständigen drei Obertalgemeinden Schuttertal, Dörlinbach und Schweighausen zu einer Gemeinde zusammen. Dörlinbach wurde zum Hauptsitz der neu formierten Gemeinde Schuttertal. Für Billharz endete dennoch 1973 vorzeitig seine zweite Amtsperiode. Bürgermeister der neuen Gemeinde sollte letztlich sein bisheriger Amtskollege Bernhard Himmelsbach aus Schuttertal werden. Bis zu dessen Wahl fungierte Billharz allerdings noch als Amtsverweser der neuen Gesamtgemeinde.

Josef Billharz baute zusammen mit seiner Frau Rosalia (auf dem Balkon) im Jahre 1950 ein Wohn- und Geschäftshaus an der Hauptstraße in Dörlinbach. Sie eröffneten dort ein Textilgeschäft. Natürlich wurde am Rosenmontag auch bei den neuen Geschäftsleuten Gutsele gebettelt.
Alt-Bürgermeister Josef Billharz (2.v.l.) bei der Vertragsunterzteichnung zur Neubildung der Gemeinde Schuttertal. Rechts neben ihm der bisherige Bürgermeister von Schweighausen, Horst Griesbaum, und Schuttertals bisheriger Bürgermeister Bernhard Himmelsbach, der später zum Bürgermeister der neuen Gemeinde Schuttertal gewählt wurde.

Während seiner Zeit als Rathauschef von Dörlinbach fielen viele wichtige Entscheidungen für die Kommune an. Dazu gehörte unter underem die Erweiterung der Trinkwasserversorgung. Zudem mussten weitere Straßen gebaut und einige Waldwege befahrbar für den Holzhandel gemacht werden. Der Bau zweier wichtigen und zentralen Gebäude fiel ebenfalls in die Amtszeit von Billharz. So konnte er die Neue Schule (heute Außenstelle der Grundschule Schutteral) sowie das Feuerwehrgerätehaus bei der Alten Schule (heute ein Vereinshaus) als Bürgermeister einweihen. Weitere Aufgaben: Erschließung neuer Baugebiete in den 1960er- und 1970er-Jahren sowie die Gründung des Abwasserverbands „Oberes Schuttertal“.

Josef Billharz erblickte als erstes Kind der Eheleute Hermann (1888 bis 1956) und Theresia Billharz, eine geborene Göppert (1887 bis 1976), im Februar 1911 in Dörlinbach das Licht der Welt. Es sollten noch neun Geschwister folgen. Josef Billharz selbst, der mit Rosalia, geborene Faißt (1910 bis 1984), verheiratet war, hatte drei Kinder. Als junger Bub besuchte zunächst die Volksschule in seinem Heimatort Dörlinbach. Über die Handelsschule in Lahr führte sein beruflicher Weg im Jahre 1932 erst einmal zum Textilkaufmann. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs war jedoch vorübergehend Schluss mit seinem erlernten und bis dahin ausgeübten Beruf. Billharz, der in Frankreich und Russland als Soldat war, wurde 1943 schwer verwundet. Bis zum Kriegsende wurde er in mehreren Lazaretten deswegen behandelt.

Endlich zurück im heimischen Dörlinbach fand Josef Billharz wieder einen Arbeitsplatz. Doch nicht im Textilbereich, sondern auf der Verwaltungsstelle des meteorologischen Dienstes in Seelbach. Doch die Dienststelle wurde nach Freiburg verlegt. Billharz blieb jedoch seiner Heimat treu, ging nicht mit nach Freiburg, sondern baute zusammen mit seiner Frau im Jahre 1950 ein Wohn- und Geschäftshaus an der Hauptstraße in Dörlinbach. Sie eröffneten ein Textilgeschäft, das er letztlich 1974 an seinen Sohn Walter übergab. Heute befindet sich übrigens kein Textilgeschäft mehr in dem ehemaligen Billharz-Gebäude. Das Anwesen wurde verkauft, seit dem Jahre 2014 befindet sich ein Malergeschäft mit Laden im Erdgeschoss des Gebäudes.

Auch im Dörlinbacher Vereinsleben hinterließ Billharz seine Spuren. Unter anderem gründete er im Jahre 1966 den Verkehrsverein mit. Aktiv war Billharz auch im örtlichen VdK (Sozialverband), dessen Vorsitz er lange Zeit inne hatte. Abschließend sei erwähnt dass Billharz auch über viele Jahrzehnte hinweg Freier Mitarbeiter der Lahrer Zeitung als auch der Badischen Zeitung war. Er war über ein halbes Jahrhundert einer der typischen „Dorfschreiber“, wie sie heutzutage eigentlich kaum noch zu finden sind. Josef Billharz starb im Februar 2004.