Dörlinbachs Rathaus wird zur „Schaltzentrale“

 

 

Am 1. Januar 1974 schlossen sich die bis dahin eigenständigen Gemeinden Schuttertal, Dörlinbach und Schweighausen zur neuen Gemeinde Schuttertal zusammen. Das Rathaus im Ort Dörlinbach wurde damals als zentraler Sitz bestimmt. Die Ortsteile verzichteten auf die Einführung einer Ortschaftsverfassung, wie sie damals bei vielen Gemeinden, die sich im Rahmen der Gemeindereform neu formiert hatten, üblich war.

Das Dörlinbacher Rathaus. Seit der Gemeindereform im Jahre 1974 ist in dem zentral gelegenen Gebäude der Sitz der Verwaltung der Gemeinde Schuttertal.

Schon vor dem Zusammenschluss – im Dezember 1973 – wurde festgelegt, dass dem neuen Gemeinderat der Gesamtgemeinde 14 Räte und Rätinnen angehören sollen. Allerdings war die Zusammensetzung für Dörlinbach ungünstig. Entsprechend den damaligen Einwohnerzahlen entschied man Dörlinbach nur vier Ratsmitglieder zuzugestehen, Schuttertal und Schweighausen bekamen je fünf Sitze. Erst mit den Gemeinderatswahlen im Juni 1994 wurde die mittlerweile eingeforderte Gleichheit hergestellt. Seither sitzen für jeden Ortsteil jeweils fünf Räte und Rätinnen in dem obersten Gemeindegremium.

Das Wappen der neuen Gemeinde Schuttertal.
Das Dörlinbacher Rathaus. Seit der Gemeindereform im Jahre 1974 ist das zentral gelegene Gebäude Sitz der Verwaltung der Gemeinde Schuttertal.

Eigentlich hätte ja alles ganz anders laufen sollen, zumindest wenn es nach der Landesregierung gegangen werden. Denn die strebte einen Zusammenschluss aller Talgemeinden an, außer dem Ort Kuhbach. Der Sitz einer solchen Großgemeinde wäre dann Seelbach gewesen. Doch dem Ansinnen der Landesregierung wollten nicht alle folgen. Reichenbach sprach sich dafür aus, den Ort an die Stadt Lahr anzugliedern. Daraufhin sah der Plan vor, nur die oberen Talgemeinden auf der Basis einer Ortschaftsverfassung Seelbach anzugliedern. Doch Schweighausen stellte sich von Anfang an gegen dieses Vorhaben, lehnte eine Eingliederung nach Seelbach entschieden ab. So kam es zunächst zu Gesprächen mit Schuttertal und Dörlinbach, ein Vertragsentwurf wurde sogar ausgehandelt. Eine Bürgeranhörung sollte letztlich Klarheit bringen.

Doch mittlerweile regte sich auch in Schuttertal Protest gegen die geplante und von Landrat Georg Wimmer favorisierte Eingliederung. Er war damals ein entschiedener Befürworter für die Eingliederung der Obertalgemeinden nach Seelbach. Auch in Dörlinbach mehrten sich die Stimmen gegen einen Zusammenschluss mit Seelbach. Allerdings nicht ganz so stark wie in Schuttertal, wo sogar eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen wurde. Es kam schließlich zu einer Bürgerbefragung in Dörlinbach und Schuttertal. Das Ergebnis war mehr als eindeutig. In Dörlinbach stimmten 75 Prozent gegen die geplante Eingemeindung und in Schuttertal nahezu alle – nämlich 95 Prozent.

Der Wunsch der Bürgerinnen und Bürger wurde auch in Stuttgart erhört. Baden-Württembergs damaliger Innenminister Karl Schiess, der maßgeblichen Anteil an der Kreis- und Gemeindereform hatte, bezeichnete im Rahmen einer Pressekonferenz einen Teilverwaltungsraum im oberen Schuttertal als „wünschenswert“. Eine Aussage, die im oberen Schuttertal auf große Resonanz stieß. Der Weg war somit geebnet für die heutige Gemeinde Schuttertal. Schnell war man sich einig: Schuttertal, Dörlinbach und Schweighausen sollten sich zu einer Gemeinde zusammenschießen. Die Folge: Es gab natürlich eine erneute Bürgeranhörung. Schuttertal und Schweighausen votierten klar dafür. Und auch in Dörlinbach gab es ein klares Ergebnis. Es gab lediglich 16 Nein-Stimmen.

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