1975 war er „Chef“ eines legendären Festumzugs

Göpperts gab und gibt es deren viele in Dörlinbach. Und auch Göpperts mit dem Vornamen Wilhelm waren nicht einzigartig im Ort. Aber es gab nur einen Wilhelm Göppert, den alle im Ort nur „d’Waldhüter“ nannten. Ein Übername den eigentlich die ganze Familie bis heute noch hat. Hintergrund ist Wilhelm Göpperts berufliche Tätigkeit und die seines Vaters und Großvaters. Göppert, der im Oktober 2017 im Alter von 82 Jahren verstarb, war 40 Jahre Revierleiter in Dörlinbach.

„Waldhüter“ Wilhelm Göppert auf einem Ochsenkarren an der Dorffasent.

Und auch sein Großvater und Vater waren Förster im Dörlinbacher Gemeinde-, Privat- und Stiftswald. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bis heute die ganze Familie als „s’Waldhüters“ bezeichnet wird. Aber so richtig geprägt und auch gelebt hat diesen Namen Wilhelm Göppert. Für ihn war sein Beruf mehr als nur eine Aufgabe. Leidenschaft, Lebensinhalt und ein starkes Maß an Verantwortung für die Menschen und ihre Umwelt.

Oktober 2015: „Waldhüter“ Wilhelm Göppert aus Höfen.
Oktober 2015: „Waldhüter“ Wilhelm Göppert aus Höfen.

Wilhelm Göppert genoss das Vertrauen sämtlicher Bürgermeister und auch des Forstamtes. Ihm selbst ließ es Freiraum für Entfaltung im Sinne des Waldes und der Menschen. Von 1958 bis 1998 war er Revierleiter. Nach der Gemeindereform von 1975 kam ein weiterer Teil des Schweighausener Waldes hinzu. Ein Zuviel an Arbeit kannte er nicht, dafür war er immer mit ganzer Hingabe mit seinem Beruf verwurzelt. Er selbst meinte einmal rückblickend auf seine Berufsjahre als Förster: „Es ist alles rund gelaufen.“

Der „Waldhüter“ hinterließ aber auch in der Dörlinbacher Vereinswelt seine Spuren. Mit 21 Jahren trat er der Freiwilligen Feuerwehr Dörlinbach bei. Von 1972 bis 1996 war er Kommandant der Abteilung und von 1975 bis 1990 auch Kommandant der Gesamtwehr Schuttertal. Für seinen großes Engagement als Feuerwehrmann erhielt er 1995 das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Gold. Im Jahre 2001 wurde er zum Ehrenkommandant der Abteilung Dörlinbach ernannt. Auch im Fußball hinterließ Wilhelm Göppert buchstäblich seine Fußspuren. Über viele Jahre hinweg spielte er in der Seniorenmannschaft. Er war insgesamt 24 Jahre als aktiver Fußballer beim SV Dörlinbach tätig. Bis ins hohe Alter juckte es ihm immer wieder in den Beinen, wenn er dem SV Dörlinbach bei seinen Heimspielen zuschaute. Heimspiele zu besuchen war für ihn quasi ein „Muss“. Göppert war übrigens auch Ehrenmitglied des Sportvereins.

Ein weiteres „Muss“ gab es für Göppert immer nach dem Sonntagsgottesdienst. Knapp sieben Jahrzehnte traf er sich jeden Sonntag nach dem Kirchgang mit Schulkameraden im Gasthaus „Engel“. Ein sonntägliches Ritual, das er von den 1950er-Jahren an bis ins hohe Alter beibehielt. Zu seinen Leidenschaften gehörte unter anderem auch das Imkern. Seit seinem 14. Lebensjahr war er, wenn man so will, Imker. Und so versteht es sich von selbst, dass die Imkerei ihn ebenfalls bis ins hohe Alter begleitete. Über sich selbst und sein Leben sagte er im Jahre 2015 einer Zeitungsreporterin anlässlich seines 80. Geburtstags: „Ich bin sehr glücklich und zufrieden. Alles ist genauso richtig, wie es ist.“

Dem „Waldhüter“ fiel übrigens in der Zeit des kommunalpolitischen Umbruchs, das bis 1974 selbstständige Dörlinbach wurde Teil der Gesamtgemeinde Schuttertal, eine große Aufgabe zu. Eine Aufgabe, die er damals mit viel Herzblut anging. Und so blickte er zeitlebens immer wieder gerne auf die 750-Jahr-Feier von Dörlinbach im Jahre 1975 zurück. Unter seiner Regie erhielt nämlich der Ort einen Festumzug, der in jener Zeit seinesgleichen in der Region suchte (siehe auch unter Blog-Beitrag „Dorfjubiläum 750 Jahr“). Mehr als 50 Gruppen beteiligten sich am großen Umzug. Das ganze Dorf war am Umzugssonntag auf den Beinen und der Zusammenhalt schweißte die Bevölkerung noch mehr zusammen. „Ein einmaliges Fest“, kam es Wilhelm Göppert immer wieder über die Lippen, wenn er über das Dorfjubiläum sprach.

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