Ein stiller, ruhiger Fastnachtssonntag 2022

 

 

Ein Rundgang durch den Ort vermittelt am Fasnachtssonntag 2022 einen überaus ruhigen Tag. Kaum bis keine äußere Zeichen, dass es eigentlich mit der wichtigste Tag in der Derlebacher Dorffasent ist. Angefangenen von den obligatorischen bunten Stofffetzen, die entlang der Hauptstraße für die närrisch-tollen Tage nicht aufgehängt wurden, über merklich weniger Fasentschmuck an den Häusern bis hin zum diesmal umzugslosen Sonntag.

Beim Fasentsumzug 1992 kam ein „friedlicher Panzer“ zum Einsatz – seine Munition: Konfetti.

Also kein Umzug durch den Ort, kein Narrentreiben in und an der Halle. Stattdessen fast leere Straßen, hin und wieder Spaziergänger in normaler Kleidung unterwegs und der durchfließende Verkehr beschränkt sich fast ausschließlich auf die üblichen sonntäglichen Geisberg-Touristen aus dem Umland. Ein Umstand der zum einen den Corona-Maßnahmen geschuldet ist, sicherlich aber auch dem Krieg mitten in Europa. Dies zeigt sich auch an den Aktivitäten der beiden Dörlinbacher Zünfte, die zwischendurch immer wieder einen leichten Hauch von Fasnacht aufblitzen lassen.

Figuren und Fußgruppen von Vereinen und privaten Initiativen des Fasnachtsumzug 1992.
Themen-Wagen des Fasnachtsumzug 1992.

Sie zeigen Präsenz mit ihrem Häs, treffen sich aber in kleinen Gruppen privat und wie es erscheint – eher gelassen und ruhig. Auch spielende und herumtollende Kinder in Fasnachtskostümen sind an diesem Fasnachtssonntag nicht zu sehen.

Der Fasnachtssonntag ist in Dörlinbach normalerweise vom Dorfumzug mit Lokalkolorit geprägt. Reichlich lokale, manchmal aber auch weltliche Themen werden durch etliche Fußgruppen und Wagen in Szene gesetzt. Insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren gab es kaum einen Verein oder eine Vereinigung im Ort, die keinen Themenbeitrag zum Umzug beisteuerte. Bis hin zu unzähligen privaten Initiativen, die allerdings im neuen Jahrtausend merklich nachgelassen haben.

Ferrari, Panzer & Co.

Einer dieser Initiativen haben wir sogar einen eigenen Blog-Beitrag gewidmet (siehe unter Blog-Beitrag „Ferrari macht Boxen-Stopp in Dörlinbach“). Ein knallroter Ferrari machte beim Umzug 1997 Dörlinbachs Straßen unsicher. Möglich machten dies damals Franz Eble und Rainer Stölker, die den genialen Einfall dazu hatten. Fünf Jahre zuvor überraschte die Zunft mit Blick auf das Weltgeschehen mit einem ganz anderen Gefährt, dessen Farbe nicht in einem kräftigen Rot, sondern in Oliv ins Auge stach. Die Zunft ließ nämlich beim Dorfumzug 1992 einen Panzer durch den Ort rollen. Es wurde sogar „scharf“ geschossen. Das „Bremmeng’schütz“ feuerte allerdings lediglich Konfetti in die begeisterte Menge.

Wegen dem Buben Rüben hacken

Bei diesem Umzug wurde auch gezeigt, was eine Geburt eines Buben so alles nach sich ziehen kann. Der Radfahrverein musste nämlich bei Vereinsmitglied Josef Kaspar Rüben hacken, offensichtlich weil sie ihm den Buben nicht zugetraut hatten. „Hacke Hacke Rübli alles wegem Biebli“ hieß es unter anderem auf den Schildern der Fußgruppe. Und natürlich durfte auch das Corpus Delicti, also der kleine Philipp nicht fehlen, der mehr oder weniger schlafend im Kinderwagen durchs Narrenvolk kutschiert wurde. Egal wie, er war an diesem Umzugssonntag jedenfalls in bester Gesellschaft, denn die Zaungäste am Straßenrand konnten neben Klein-Philipp unter anderem auch eine Schlumpf-Parade, jede Menge an Märchenfiguren sowie eine Traumhochzeit bewundern, bejubeln und beklatschen.

Speerwurf-Talent „sabotiert“ Fußball-WM

Interessante Wagenaufbauten wurden auch schon in früheren Jahren an der Fasnacht durch Dörlinbach gezogen. Unter anderem im Jahre 1975 ein Schiff. Bei den Fußgruppen stachen immer wieder die Ideen der Damenriege sowie des Kindergartens ins Auge. Die Damenriege präsentierte unter anderem 1980 Geishas aus Fernost und zwei Jahre später jede Menge Enten, die natürlich auf der Straße den Ententanz darboten. Den Gestaltern der Fußgruppen und Wagenaufbauten entging fast nichts, so auch „ein Wilddieb“ im Jahre 2002 oder der spektakuläre Stromausfall mitten in der Fußball-Liveübertragung von der WM in Spanien im Jahre 1982. Verursacht durch ein Dörlinbacher „Speerwurf-Talent“, das beim Üben zu Hause eine Stromleitung mit dem Speer traf.

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