Von Zigarren über Oldtimer zum Gebet

 

 

In Dörlinbachs Kirchengeschichte finden sich gleich drei markante Gotteshäuser wieder. Beginnend mit der Dreifaltigkeits-Kapelle, dem alten Kirchlein aus dem Jahre 1132, die im Jahre 1922 dem Bau einer neuen Kirche, der heutigen Pfarrkirche St. Johannes weichen musste. Pläne, eine neue Kirche zu bauen und gleichzeitig das Kleinod aus romanischer Zeit zu erhalten, wurden damals vom zuständigen Pfarrer, als auch vom Bürgermeister ignoriert (siehe dazu auch Blog-Beitrag „Die Gotteshäuser“).

Ansichten vom Ersatz-Gottesdienstraum in der alten Zigarrenfabrik an der Ecke Mühlweg / Blessingstraße.

Erste Renovationsarbeiten erfuhr die neue Kirche in den Jahren 1938/1939. Und der heutige Glockenturm kam erst in den Jahren 1957 bis 1959 hinzu. Die nächst größere Renovation stand im Jahre 1982 an. Da ein Schwerpunkt der Renovation auf dem Inneren des Gotteshauses lag, konnten während der mehrmonatigen Bauphase keine Gottesdienste in der Sankt-Johannes-Kirche abgehalten werden. Es musste eine Ersatzlösung gefunden werden – eine „Ersatzkirche“ musste her.

Ansichten vom Ersatz-Gottesdienstraum in der alten Zigarrenfabrik an der Ecke Mühlweg / Blessingstraße.
Ansichten aus dem Ersatz-Gottesdienstraum in der alten Zigarrenfabrik an der Ecke Mühlweg / Blessingstraße.

Und so fanden die Gottesdienste in jener Zeit in der alten Zigarrenfabrik in der Mühlstraße statt. Ein Teil des ehemaligen Fabrikgebäudes wurde quasi zu einer „Ersatzkirche“ umfunktioniert. Der Zugang zum Gottesdienstraum erfolgte von der Blessingstraße über eine Rampe, die der damalige Besitzer einst als Auffahrt für seine Oldtimer angebracht hatte. Statt parkenden Oldtimern nahmen im Inneren fortan Dörlinbachs Katholiken zum Gebet Platz. In jenen Räumlichkeiten, wo einst Zigarren gedreht wurden. Überhaupt hat das mächtige Gebäude in der Mühlstraße schon viel erlebt. Von der Zigarren-Produktion, über Oldtimer-Ausstellungen und Ersatzkirche dienten die Räumlichkeiten im ersten Obergeschoss auch für Fasnachtsveranstaltungen für die Feuerwehr.

2021 war keine „Ersatzkirche“ notwendig

Die letzte Innenrenovation der Pfarrkirche fand übrigens von Februar bis März 2021 statt. Da wegen der Corona-Pandemie zu diesem Zeitpunkt sowieso Einschränkungen galten, war diesmal keine „Ersatzkirche“ von Nöten. Die alte Fabrik an der Ecke Mühlstraße / Blessingstraße hätte eine solche Rolle ohnehin nicht mehr übernehmen können. Denn das Gebäude hatte zwischenzeitlich erneut den Besitzer gewechselt und wurde grundlegend saniert. Heute ist die ehemalige Zigarrenfabrik ein Privathaus mit mehreren Wohnungen darin.

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