Eine Löschmannschaft bestand bereits 1911

 

 

Der erste Beleg für das Wort „Feuerwehr“ datiert aus dem Jahr 1847. Damals tauchte der Begriff am 19. November in der Karlsruhe Zeitung auf und bereits im Jahr darauf wurde dieser im Badischen Bürgergesetzbuch amtlich. Zuvor sprach man im Feuerlöschwesen unter anderem von Rettungsgesellschaften und Löschgruppen oder Löschmannschaften. Auch in Dörlinbach gab es einmal eine Löschmannschaft. Dies geht aus einem alten Protokollbericht aus dem Jahre 1911 hervor.

Fahrzeugeinweihung 1978: Ein Festtag, bei dem die Dörlinbacher Wehr auch eine Schauübung bei der alten Zigarrenfabrik im Mühlweg der Bevölkerung präsentiert.

Jenes Protokoll verrät interessante Detail des damaligen hiesigen Löschwesens. So heißt es darin, dass besagte Löschmannschaft mindestens einmal im Jahr eine Spritzenprobe abhielt. Und diese ist laut Protokoll in der Regel immer am „Fasentmändig“ (Fasnachtsmontag) abgehalten worden. Weiter heißt es, dass im Jahr 1911 auch eine Handdruckpumpe für die Löschmannschaft angeschafft wurde. Den ersten verzeichneten Großeinsatz gab es für jene Löschmannschaft im Jahre 1915 auf dem Eblehof im Prinschbach. Der Doppelhof wurde damals durch Brandbomben zerstört.

September 1994: Schauübung der Feuerwehrabteilung Dörlinbach zusammen mit dem Roten Kreuz auf dem Lieberatsberg.
September 2008: Nächtlicher Einsatz beim Schutter-Hochwasser im Dorfzentrum.

Zu einer offiziellen Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr kam es erst im Januar 1938, wie entsprechende Unterlagen des Landratsamtes belegen. Die Mannschaftsstärke betrug damals 30 Mann. Als Feuerwehrführer wurde Andreas Göppert (1892 bis 1978) aus Höfen eingesetzt. Das Lahrer Bezirksamt hatte zwar mit Schreiben vom 22. April desselben Jahres die Gründung genehmigt, aber der Gemeinde zugleich eine Reihe von Auflagen erteilt. Auflagen, die sich hauptsächlich auf Löscheinrichtungen und Ausrüstung der Wehr bezogen. Doch beim Durchrechnen der dafür benötigten Mittel kam die Ernüchterung für die Gemeinde-Oberen. Die Gemeine errechnete damals notwendige Kosten von 745,25 Reichsmark. Viel zu viel Geld, sagte sich der damalige Bürgermeister Wilhelm Müllerleile (1875 bis 1961) und hat kurzerhand die im Vorjahr gegründete Feuerwehr wieder aufgelöst. Dies erklärte er schriftlich mit Schreiben vom 31. März 1939 an den Kreisfeuerwehrführer. Es war allerdings nur ein Aufschub, denn es nutze alles nichts. Schon im Jahr darauf, im April 1940, wurde die Gemeinde gezwungen, die Feuerwehr wieder zu gründen und entsprechend auszurüsten. Doch diesmal wurde den Dörlinbachern ein Zuschuss von etwa einem Drittel der Kosten in Aussicht gestellt. In diese Zeit der Um- beziehungsweise Neuorientierung fiel am 10. März 1941 ein Großbrand am Oberrain, bei dem das Anwesen Josef Weber, auch „s’Markse“ genannt, niederbrannte.

Neugründung erst nach Krieg möglich

Doch die Neugründung zog sich hin, woran diesmal nicht das Geld, sondern der mittlerweile tobende Weltkrieg schuld war. Denn während den Kriegsjahren wurden die jüngeren Wehrmänner zum Militär eingezogen, so dass nur elf Männer (alle über 53 Jahre alt) im Ort verblieben. Nach Kriegsende ging es dann aber relativ schnell. Am 1. Januar 1946 wurde schließlich die heutige Wehr, die mittlerweile eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Schuttertal ist, als Freiwillige Feuerwehr Dörlinbach gegründet. 14 Mann waren es am Gründungstag, erster Kommandant wurde Andreas Reith (1909 bis 1991) von der Brandhalde, der sage und schreibe erst im Jahre 1973 von Wilhelm Göppert (1935 bis 2017) aus Höfen abgelöst wurde. Gleich in die ersten Jahre seiner langen Dienstzeit als Kommandant – vier Jahre nach Gründung der Feuerwehr – fiel am 22. Januar 1950 ein Großbrand am Unterrain, wobei das Anwesen Karolina Kaspar völlig zerstört wurde. In seiner Amtszeit konnten übrigens im Jahre 1955 die erste Motorpumpe, eine TS 8 (Tragkraftspritze) sowie ein TSA (Tragkraftspritzenanhänger) angeschafft werden. Und kurz bevor er als Kommandant die Wehr verließ, konnte diese 1971 noch ihr 25-jähriges Jubiläum feiern.

Die Gemeindereform brachte weitere Veränderungen in der Dörlinbacher Wehr mit sich. Die eigenständigen Gemeinden Dörlinbach, Schuttertal und Schweighausen hatten sich zum 1. Januar 1974 zur heutigen Gemeinde Schuttertal zusammengeschlossen. Somit war klar, die Feuerwehrsatzung musste für die neugebildete Großgemeinde angepasst werden. Und so kam es im Jahre 1976 zur Gesamtfeuerwehr Schuttertal mit den Abteilungen Dörlinbach, Schuttertal und Schweighausen. Mit den Veränderungen ging es für die Dörlinbacher Floriansjünger Schlag auf Schlag weiter. Denn 1977 wurde das Gerätehaus bei der Alten Schule angebaut und wiederum ein Jahr später erhielt die Dörlinbacher Abteilung einen LF 8 (Löschfahrzeug). Zudem wurde ein Schlauchanhänger angeschafft, womit die alte TSA außer Dienst gestellt werden konnte. Auch in Göpperts Dienstzeit an der Spitze der Abteilung fiel ein verheerender Großbrand. Ein Kaminschaden löste den Brand aus und vernichtete am 14. Juli 1990 den 300 Jahre alten Rothweilerhof im Durenbach.

Optimale Unterbringung

Während bei den Abteilungen in den Nachbarorten Schuttertal und Schweighausen optimale Lösungen für die Unterbringung der Feuerwehren gefunden wurden, stand dies für Dörlinbach noch aus. Die Lösung: Beim Gerätehaus hinter der Alten Schule aufzustocken. Im Sommer 1991 war schließlich „Spatenstich“ für das geplante Projekt. Für den gesamten Ausbau wurden damals rund 200.000 Mark angesetzt. Durch die lange Bauphase von rund zwei Jahren wurde diese natürlich überschritten, aber mit 213.000 Mark nur minimal. Etwa ein Drittel davon war durch einen Landeszuschuss abgedeckt. Durch die damalige Aufstockung konnte auch ein Schulungsraum für die Feuerwehr geschaffen werden. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind sicherlich auch die Eigenleistungen einiger Feuerwehrkameraden, die es insgesamt auf 430 Arbeitsstunden brachten. Einer von ihnen hob bei der Einweihungsfeier im März 1993 Abteilungskommandant Wilhelm Göppert besonders hervor: Eugen Singler (1932 bis 1998) aus dem Mühlweg, der mit seinen Eigenleistungen in rund 200 Arbeitsstunden maßgeblich die Kücheneinrichtung sowie die Schränke für den Mannschafts- und Schulungsraum geschaffen hatte.

Im Jahre 1995 übernahm Reinhold Grimm von Göppert die Abteilung. Und Grimm hatte gleich ein großes Fest zu planen. Denn die Abteilung feierte im Jahre 1996 das 50-jährige Bestehen der nach dem Krieg neu formierten Dörlinbacher Feuerwehr mit einem dreitägigen Fest. In die Amtszeit von Reinhold Grimm, der bis 2005 die Geschicke der Abteilung lenkte, fiel im Jahre 1998 auch die Gründung einer Jugendfeuerwehr. Diesen zukunftsweisenden Schritt gingen allerdings die drei Abteilungen gemeinsam. Es wurde die Jugendfeuerwehr Schuttertal gegründet. Sicherlich ein einschneidendes Erlebnis für Grimm, aber auch für seine Feuerwehrkameraden und die gesamte Bevölkerung war jener Großbrand am 11. April 2002, bei dem im Wurzgraben der Wanglerhof ein Raub der Flammen wurde (siehe dazu auch Blog-Beitrag „Der Wanglerhof“). Nach Grimm leitete für vier Jahre bis 2009 Josef Wacker die Abteilung, bevor dann Schuttertals Gesamtwehr-Kommandant Achim Zehnle die Dörlinbacher Abteilung übernahm.

Neues Einsatzfahrzeug

Im Jahre 2011 konnte ein neues Einsatzfahrzeug als Ersatz für den damals über 30 Jahre alten LF 8, der nach Ungarn weitergegeben wurde, angeschafft werden. Ein STLF 10/6 (Staffel-Löschfahrzeug), für das aufgrund einer Sammelbestellung mehrerer Feuerwehren (Schuttertal, Lahr und Willstätt) günstige Konditionen ausgehandelt werden konnten. Das neue Einsatzfahrzeug mit hohem technischen Standard kam so auf gerade einmal 150.000 Euro. Im August 2011 wurde das STLF 10/6 im Rahmen der Jahresübung der Schuttertäler Gesamtwehr in Dörlinbach offiziell in den Dienst gestellt. Bauliche Veränderungen in der Alten Schule zugunsten der Feuerwehr standen dann 2017 wieder an. Die ehemalige Gemeinschaftsgefrieranlage wurde zum Umkleideraum für die Feuerwehrleute umgebaut. Die Baumaßnahme konnte 2019 abgeschlossen werden. Im gleichen Jahr wechselte auch die Abteilungsführung. Zehnles Amt, der bis heute noch als Kommandant der Gesamtwehr aktiv ist, übernahm bei der Abteilung fortan Christian Wangler. Ein Jahr voller Veränderungen. 2019 musste aus sicherheitstechnischen Gründen auch der knapp 30 Jahre alte MTW (Mannschaftstransportwagen) ausgemustert werden. Im Jahre 2020 konnte jedoch als Ersatz für den alten MTW, ein Ford, ein neuer gebrauchter MTW angeschafft werden.

Zu den Einsätzen sei noch erwähnt, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Dörlinbacher Wehr nicht nur so manchen Großbrand bekämpfen musste, sondern auch mehrfach bei größeren Überflutungen, verursacht durch die durch den Ort fließende Schutter, extrem gefordert war. Vor allem bei den Hochwassereinsätzen in den Jahren 1970, 1980, 1982, 1987, 2008 und zuletzt an gleich zwei aufeinander folgenden Tagen im Sommer 2021 (siehe hierzu auch Blog-Beitrag „Wenn die Schutter überschwappt“).

Integriert in der Dorfgemeinschaft

Die Feuerwehrabteilung Dörlinbach brachte sich neben ihren dienstlichen Verpflichtungen auch immer wieder in das örtliche Vereinsleben sowie in die Dorfgemeinschaft ein. Über viele Jahrzehnte hinweg durch ihre traditionellen Theateraufführungen am Dreikönigstag im Gasthaus „Zum Engel“ und später für kurze Zeit in der Turn- und Festhalle (gibt es leider inzwischen nicht mehr) und bis zu Beginn der Corona-Zeit mit ihrem Dorfhock und Bauernmarkt am letzten August-Wochenende bei der Alten Schule. Auch hierzu gibt es gesonderte Blog-Beiträge (siehe unter „Über 100-jährige Theater-Tradition“ und „Dorfhock und Bauernmarkt“).

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