Protestlied zu einer brisanten Geschichte

Die einstige Kriegergedächtniskapelle, die heute nur noch Gedächtniskapelle genannt wird, sorgte im Jahr 2015 für helle Aufregung im Ort. Ausgelöst durch einen Wanderer aus Friesenheim. 

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Denn dieser entdeckte im Inneren der Kapelle nicht nur eine Gedenktafel für jene 70 Toten des Krieges, sondern auch drei Gedenktafeln für Wehrmachtsgeneräle. Prompt reichte dieser beim Ordinariat in Freiburg eine „Prostestnote“ ein. Die Tafeln müssen weg, so dessen Ansinnen.

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Die Pfarrei St. Johannes  gehört inzwischen zur Seelsorgeeinheit Kirche an der Schutter. Und so kam dann letztlich aus Lahr die Weisung zur Entfernung der drei Tafeln. Die Aktion stieß auf Unmut, denn nicht nur die Tafeln verschwanden von heute auf morgen, sondern auch ein symbolisches Soldatengrab neben dem Kapellchen, das einst von zwei Kriegsheimkehrern als Dank an die Muttergottes erbaut wurde.

Musiker und Instrumentenbauer Franz Schüssele, ein gebürtiger Dörlinbacher, schrieb zu der brisanten Geschichte ein „Protestlied“, das über soziale Medien seine Verbreitung fand.

 

Der Liedtext im Dialekt

„Bi uns an der Schutter isch nix meh im Butter“

A Wanderer us Friesenehim dappt mitte in a Fettnapf rein. In ´ner kapell im Schuttertal sieht er a Tafel – vom a General. (Gnau gnumme drei – des macht die Sach noch brisanter!) Ware des wohl schlimmi Nazi, wüeschte Kerle, bösi Bazi? Glich rieft er bim Pfarre a, d`Tafle muesse – sofort ra!

Refrain:

Bi uns an der Schuttert isch nix meh im Butter, ´s lauft nimmi grad, so goht halt de Bach nab!

Schnell weg mit dem Deifelswerk, bevor des noch a andrer merkt! I mach die Dinger weg im Nu, no hab i wieder mini Ruh! Het de Pfarrer sich gedacht, doch d´Rechnung ohni´s Volk gemacht! Flott hängt er die Schilder ab, un bringt damit s´ganze Tal uff Trab! S´Schuttertal isch hell empört, denn vorher z´froge – hätt sich g´hört! Gejammert wird jetzt zum Erbarmen, s´Kind liegt im Dreck – in Ewigkeit Amen!

Refrain:

D´Zittung isch gli voll debi, Leserbrief ohn`End sins gsi. Ware des wohl schlimmi Krieger, für de Hitler oder d´wieder? Sin´des wirklich Nazi gsi, oder arms Kanonevieh? S´weißts nit mol de heil´ge Geist, wie des  hit au keiner weißt! Au de Pfarrer weiß des nit, warum fragt er nit erscht mol d´Lit? Entscheidet über dere kapp, so gohsch schnell die Schutter nab. D´Uffregung isch riesegrpß, in Dörlinbach isch jetzt de Teufel los! G´fehlt het da de Heilige Geischt. – Drum hem mer jetz de blöde … Slat!

Refrain:

Regiere im Generalstabston, kennt mer ja ganz guat in Rom. Doch passiert des an der Schutter, isch im Tal nix meh im Butter. Drum d´Moral von der Geschicht: Bevor was machsch – schwätz mit de Lit! Für´s Schuttertal gilt wie für Rom: Frage g´hört halt zuem guete Ton!

Refrain:

Ob d´Tafle hänge oder nit –

Ja, des juckt mi doch gar nit!

So endet halt – hab i gedacht – 

Oftmols ein General-Verdacht!

(Glocken bim-bam)

Text und Musik: Franz Schüssele, 2015