Vom Bienenwagen zur Berggaststätte

 

 

Die Gasthäuser „Zum Engel“ und „Zum Löwen“ inmitten des Dorfes sind zweifelsohne um einige Jahrhunderte älter, aber die höchstgelegene Gaststätte befindet sich auf dem Lieberatsberg. Die tolle Lage der Berggasstätte „Lieberatsberg-Stube“ in 545 Metern Höhe oberhalb des Prinschbachtals zieht immer wieder Wandergruppen an und ist zu einem beliebten Ausflugs- und Speiselokal geworden.

 

Die „Lieberatsberg-Stube“ im Abendlicht.

Als Johann Georg Griesbaum (1848 bis 1919), Hofbauer auf dem Lieberatsberg im Jahre 1884 zum Bürgermeister von Dörlinbach gewählt wurde (amtierte bis 1905 als Rathauschef), konnte noch niemand ahnen, dass später einmal ein Enkel von ihm, den er nicht kennenlernen konnte, eine Berggaststätte hoch oben auf dem Lieberatsberg eröffnen wird. Nämlich der jüngste Sohn seines zweitältesten Sohns Johann Georg (1892 bis 1937): Hermann Otto Griesbaum (1931 bis 1989).

Liebevoll gemalte Hinweistafeln sind fast schon ein Markenzeichen der „Lieberatsberg-Stube“ im Jahre 2022. Überall sind die Tafeln zu finden: In den Innenräumen, auf der Terrasse, entlang des Parkplatzes und manchmal sogar an der Straße zum Lieberatsberg.
Impressionen von der „Lieberatsberg-Stube“ – eingefangen im Juli 2025.

Hermann Griesbaum verlor allzu früh seinen Vater. Er war gerade einmal sechs Jahre alt als Vater Johann Georg starb, der zusammen mit Ehefrau Emma, geb. Zehnle (1893 bis 1980) zehn Kinder hatte. Das Jüngste verstarb allerdings am Tag der Geburt. Nach seiner Schulentlassung arbeitete Hermann Griesbaum zu Hause im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb seiner Familie mit. Im April 1958 heiratete er Franziska Singler aus Schweighausen. Im Jahr darauf übernahm Hermann Griesbaum den elterlichen Hof. Inzwischen hatte er sich umfangreiche Kenntnisse in der Viehwirtschaft als auch in der Feld- und Waldwirtschaft erworben. Besonders am Herzen lag ihm der Obstbau und die damit verbundene Baumpflege. Somit konnte das seit Generationen praktizierte Brennrecht für das auf dem Hof geerntete Obst sachkundig aufrechterhalten werden. Aber in Hermann Griesbaum schlummerten bereits weitere Pläne, die kurze Zeit später zur Eröffnung einer Vesperstube und nochmals knapp zehn Jahre später zu einer Berggaststätte führten.

Flaschenbier und Vesperbrote

Zunächst verkauften die Griesbaums Flaschenbier und Vesperbrote in einem ehemaligen Bienenwagen von Hermann Kopf (1904 bis 1987), der oberhalb ihres Hofs leer herumstand. Ihre Kundschaft waren damals Wandersleut‘, die in der herrlichen Naturlandschaft unterwegs waren. Kurze Zeit später wechselten sie vom ehemaligen Bienenwagen in eine Waldhütte, die sich ebenfalls oberhalb des Hofgebäudes befand. Im Jahre 1964 entschloss sich das Paar die Stube im Hofgebäude zu einer Vesperstube auszubauen. Bereits zu Beginn des darauffolgenden Jahres konnten schließlich Hermann und Franziska Griesbaum die „Lieberatsbergstube“ eröffnen. Es war zugleich auch das Jahr, in dem deren dritte Tochter zur Welt kam. Es folgte eine weitere Tochter, bevor im Jahre 1971 mit Hermann Josef ein Sohn und damit auch der aktuelle „Lieberatsberg-Stube“-Wirt geboren wurde.

Der Platz der Vesperstube reichte schon bald nicht mehr. Sie wurde immer beliebter, die Nachfrage war groß. Es musste mehr Platz geschaffen werden, weshalb die Stube im Jahre 1974 zu einer richtigen Wirtschaft umgebaut wurde. Die Expansion sollte recht schnell weitere Früchte tragen. Das Lokal wurde vor allem für Ausflügler und Wandergruppen zu einer beliebten Anlaufstelle. Aber auch bei den Vereinen und Vereinigungen aus dem Ort wurde das Lokal immer beliebter. Für die Bremsdorfer Narrenzunft und den DRK-Ortsverein Schuttertal wurde die „Lieberatsbergstube“ quasi zum Stammlokal. Dies zeigte sich unter anderem an närrischen Veranstaltungen und das Rote Kreuz begann sogar auf dem Gelände DRK-Bergfeste zu veranstalten sowie über einen längeren Zeitraum auch Bulldog-Treffen. Über viele Jahre hinweg wurden in der Berggaststätte auch Tischfußball-Turniere organisiert.

Die siebenköpfige Familie traf dann aber im Oktober 1989 ein Schicksalsschlag: Völlig unerwartet verstarb Ehemann und Vater Hermann Griesbaum. An das traurige Ereignis erinnert seither ein Wegkreuz auf dem Gelände der „Lieberatsberg-Stube“. Doch die Arbeit in dem Gastronomiebetrieb ging und musste weitergehen. Alle halfen mit – „Lieberatsberg-Stube“-Wirtin Franziska Griesbaum konnte dabei auf die Unterstützung ihrer fünf Kinder bauen.

Panierte Schnitzel und Cordon Bleu

Schnell avancierte die „Lieberatsberg-Stube“ zu einem ausgezeichneten Ausflugslokal. Neben den freundlichen Bedienungen schätzen die Gäste vor allem das panierte Schnitzel und das ebenso perfekt zubereitete Cordon Bleu, worauf auf Bewertungsportalen immer wieder hingewiesen wird. Insbesondere das Schnitzel wurde zum Renner in der „Lieberatsberg-Stube“. Oft ist auch zu lesen und zu hören, dass man in der „Lieberatsberg-Stube“ nicht nur die besten Schnitzel in der Region serviert bekommt sondern vermutlich auch die größten. Im Gegensatz zu den beiden Gaststätten unten im Dorf bot die „Lieberatsberg-Stube“ offiziell nie eine Beherbergung, also Gastzimmer an. Aber hin und wieder kam es schon mal vor in jenen Jahren, dass ein Gast spontan übernachten durfte. Für solche Fälle fand sich meist ein freies Bett. Und am nächsten Morgen gab es natürlich von der „Chefin“ höchstpersönlich serviert ein ordentliches Frühstück, bevor es für den Gast wieder bergab ins Dorf ging.

Die Expansion ging weiter: Sohn Hermann Griesbaum übernahm 2001 die Berggaststätte und zu den 70 Sitzplätzen in der Gaststube kamen im gleichen Jahr dank einer ausgebauten Terrasse weitere 60 Plätze hinzu. Gut ein Jahrzehnt später vergrößerte sich die beliebte Berggaststätte abermals. Durch einen Überbau über die bestehenden Parkplätze entlang der Hausfront konnte im Jahre 2013 weiteren Raum für Gäste geschaffen werden. Die Berggaststätte, der seit vielen Jahren auch ein Catering (Party-Service) angeschlossen ist, wird aktuell im Jahre 2022 von den Eheleuten Hermann und Sonja Griesbaum geführt. Und auch weiterhin engagieren sich Geschwister des „Lieberatsberg-Stube“-Wirts und teilweise auch deren Kinder im Servicebereich.

Uff em Berg

Abschließend noch Anmerkungen zur Schreibweise: Ursprünglich hieß es Lieberatsbergstube (siehe dazu auch Schrift an der Hausfront). Manche sagen auch d‘ Lieberatsbergstub‘ – bis heute. In der heutigen Zeit ist jedoch vermehrt die Schreibweise Lieberatsberg-Stube und teilweise auch Lieberatsberg-Stuben zu finden. Für die Einheimischen ist dies aber nicht von Bedeutung, denn wer hoch ins Lokal möchte sagt eigentlich immer nur: I geh‘ uff d‘ Berg. Oder wenn jemand sagt „I bin uff em Berg“, wissen alle im Ort, dass er oder sie in den „Lieberatsberg-Stuben“ ist.

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