1a bereits im dritten Vereinsjahr

 

 

Im Mai 1907 wurde im Gasthaus „Zum Löwen“ in Dörlinbach der erste Verein aus der Taufe gehoben – der Radfahrverein „Schutterbund“ Dörlinbach. Fast auf den Tag genau wurde auf der gegenüberliegenden Seite im Gasthaus „Zum Engel“ Dörlinbachs zweitältesten Verein Leben eingehaucht. Es war der 10. Mai 1908 als bei der Gründungsversammlung 105 Bürger dem Musikverein Dörlinbach als passive Mitglieder beitraten.

Im Oktober 2021 lädt der Musikverein Trachtenkapelle Dörlinbach auf den Hallenvorplatz zu einem herbstlichen Freiluft-Konzert ein.

Aus deren Reihen wurde letztlich die erste Verwaltung gewählt. Der Fabrikaufseher Anton Weber wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die musikalische Leitung übernahm mit Wilhelm Heizmann aus Ettenheimmünster ebenfalls ein Fabrikaufseher. Schon vier Tage nach der Gründungsversammlung zählte die Kapelle elf Musiker, vier Tage später kamen noch einmal sechs hinzu, und am Ende des Gründungsjahrs hatte die Kapelle bereits 21 Musiker in ihren Reihen.

Musikverein Erntedankfest
Im Jahre 1977 wurde eine Volkstanzgruppe dem Musikverein angegliedert. Gekleidet in der Schuttertäler Frauen- und Männertracht versuchte besagte Volkstanzgruppe überliefertes Kulturgut der Nachwelt zu erhalten. Hier posiert die Trachtenkapelle des Musikvereins zusammen mit Männern der Trachtengruppe, die alte Handwerkskunst demonstrieren, bei der Prinschbachhütte für eine Werbepostkarte.

Die Mitgliedschaft im Verein war damals übrigens mit strengen Regeln verbunden. So galt beispielsweise nach Paragraph 3 der Satzung für alle aktiven Musiker ein „unbescholtener Ruf“ und es bestand Probenpflicht. „Unentschuldigtes Fehlen kann bestraft werden.“ Und es wurde bestraft. Säumige Probenbesucher mussten für unentschuldigtes Fehlen 30 Pfennig als Strafe bezahlen. Außerdem mussten sich die aktiven Musiker zu einer dreijährigen Mitgliedschaft verpflichten. Bei einem früheren Austritt musste eine Strafe von zehn Reichsmark entrichtet werden.

Musikalisch erfolgreich

Trotz der Strenge gegenüber den Aktiven, der Verein wuchs, ebenso dessen Aktivitäten. Musikfeste wurden besucht und in der Gemeinde waren die Musiker fortan bei Fronleichnams- und Patronatsfesten präsent. Und im Mai 1911 konnte die stetig wachsende Musikkapelle erstmals am Verbandsfest des Oberrheinischen Musikverbands teilnehmen, das damals in Reichenbach stattfand. Erwähnenswert deshalb, weil die jungen Musiker aus Dörlinbach gleich bei dieser Premiere ihren ersten großen Erfolg erzielen konnten. Ihre musikalische Leistung wurde nämlich mit der Note „1 a“ bewertet.

Ein Jahr später wechselte zum ersten Mal der Vorsitz. Am 25. Mai 1912 übernahm Anton Stöhr die Leitung des Musikvereins. Noch einmal konnte die Kapelle ihr musikalisches Können bei einem Preiswettspiel in Kirchzarten aufblitzen lassen, doch schon kurz darauf kam das Vereinsleben zum Erliegen. Die letzte Verwaltungsratssitzung war am 7. November 1914. Der Erste Weltkrieg machte jede weitere Vereinstätigkeit unmöglich. Und die „Zwangspause“ dauerte weit über das Kriegsende hinaus. Denn durch den Verlust vieler Mitglieder in den Wirren des Krieges konnte der Verein erst wieder ab Mai 1919 aktiv werden. Die erste Verwaltungsratssitzung nach dem Kriege fand am 18. Mai 1919 statt. Sieben Tage später wurde die erste Hauptversammlung einberufen. Aus dieser ging erneut Anton Stöhr als Vorsitzender hervor.

Niemand konnte damals ahnen, dass dem Verein in einigen Jahren eine zweite „Zwangspause“ durch Krieg bevorstehen würde. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gab es zunächst einmal mehrere Wechsel im Vorsitz. Auf Anton Stöhr folgte im Februar 1927 Georg Ohnemus. Adolf Billharz wurde im Februar 1933 als dessen Nachfolger gewählt. Von Januar 1939 bis zum Kriegsausbruch hatte Roman Ohnemus den Vereinsvorsitz inne. Erneut ruhten alle Vereinstätigkeiten. Nach Kriegsende musste abermals ganz von vorne begonnen werden. Roman Ohnemus hatte den Krieg überlebt und konnte als Vorsitzender weiter die Geschicke des Vereins lenken. Die Neugründung fand übrigens am 1. Dezember 1946 im Gasthaus „Zum Löwen“ statt. Als neuer musikalischer Leiter konnte Otto Beck gewonnen werden.

Im Februar 1952 übernahm Alois Singler den Vorsitz des Musikvereins. Auf ihn folgte im Januar 1958 Andreas Griesbaum. Dieser gab die Vereinsführung im Mai 1965 an Matthias Ohnemus ab. Ohnemus prägte zusammen mit Josef Busam, der 1972 den Dirigentenstab übernahm, den Verein nachhaltig. Kein Wunder, denn fast 27 Jahre sollte Ohnemus letztlich dem Musikverein als Chef des Verwaltungsrats vorstehen und Busam gab 18 Jahre lang den Takt an. Unter deren Führung wurde im Jahre 1977 eine Volkstanzgruppe dem Verein angegliedert. Gekleidet in der Schuttertäler Frauen- und Männertracht versuchte besagte Volkstanzgruppe überliefertes Kulturgut der Nachwelt zu erhalten. Um die Verbundenheit mit den überlieferten kulturellen Werten zum Ausdruck zu bringen und aus Traditionsbewusstsein tragen die aktiven Musikerinnen und Musiker schon seit 1968 Trachtenuniformen. Die bisherige grüne Uniform mit Goldbesatz und Schirmmütze sah man fortan nur noch vereinzelt über die Fasnachtszeit. Bei Konzerten und sonstigen Auftritten war nun erst einmal graue Jacke, rote Weste, schwarze Hose und schwarzer Hut angesagt. Im Jahre 1981 wurde das Äußere der „Schuttertäler Sonntagstracht“ angepasst. Einige Jahre später kam eine Art „närrische Uniform“ hinzu, bei der wie bei der Trachtenuniform die Farben schwarz und rot dominieren. Denn anlässlich des ersten großen Narrentreffens der Bremsdorfer Narrenzunft im Jahre 1989 hat sich die Kapelle ein närrisches Gewand in Eigenarbeit zugelegt.

Zahlreiche Dirigentenwechsel

Die 1990er-Jahre sollten weitere einschneidende Veränderungen für den Verein bringen. So verfügt der Musikverein seit 1990 über ein Vereinsheim. Dafür hat die Gemeinde in der Alten Schule den Musikerinnen und Musiker einen Raum zur Verfügung gestellt. Den teilt man sich mit dem katholischen Kirchenchor und dient beiden Gruppierungen in erster Linie als Probelokal. In mühevoller Eigenarbeit haben damals Musikverein und Kirchenchor die Räumlichkeit hergerichtet. Im Frühjahr 1990 konnte das Vereinsheim öffentlich eingeweiht werden. Auch personell änderte sich nach langer Beständigkeit einiges. Matthias Ohnemus gab sein Amt als Vorsitzender im Januar 1992 an Achim Redt ab. Und bereits zwei Jahre zuvor legte Josef Busam den Taktstock nieder. Vor Busam schwang übrigens Max Isele den Taktstock. Isele war damals zugleich Schulleiter im Ort. Nach Langzeitdirigent Busam häuften sich jedoch die Dirigentenwechsel. Sein Nachfolger Helmut Walter aus Seelbach blieb nur knapp drei Jahre. Vom November 1993 bis Januar 1996 hatte Manuel Gruber aus Reichenbach die musikalische Leitung inne. Danach gab mit Stephan Hollstein ein Eigengewächs für rund eineinhalb Jahre den Takt an. Yvonne Heizmann aus Kuhbach, die bereits einige Jahre aktiv bei den Dörlinbachern mitspielte, übernahm im Oktober 1997 den Taktstock. Im Januar 1999 musste erneut Stephan Hollstein ran, der wieder übergangsweise den Dirigentenstab übernahm. Mit Gerald Zapf aus Niederschopfheim sollte zunächst einmal bei den Aktiven Ruhe einkehren, er übernahm im November 1999 die musikalische Leitung. Allerdings musste Stapf berufsbedingt Ende Juli 2001 den Dirigentenstab wieder niederlegen. Erneut half mit Stefan Kürz ein Aktiver aus den eigenen Reihen aus, bis im November des gleichen Jahres Andreas Lang aus Rust als neuer Dirigent verpflichtet werden konnte. Verbunden mit den zahlreichen Dirigentenwechsel waren auch immer wieder Austritte von aktiven Musikerinnen und Musiker, so dass die Zahl der Aktiven innerhalb eines Jahrzehnts von 47 auf 35 sank. Kein Vergleich zu den Hoch-Zeiten in den 1970er- und 1980er-Jahren. Zeitweise hatten mehr als 50 Musikerinnen und Musiker unter Isele und vor allem unter Busam in der Kapelle mitgespielt. Und es gab in jenen Jahrzehnten auch immer wieder Untergruppierungen. Die allererste geht allerdings bereits auf die 1950er-Jahre zurück. Diese nannte sich „Jazzmen“. Ende der 1970er-Jahre formierte sich eine Bauernkapelle hinzu. Diese trat stets in Verbindung mit der Volkstanzgruppe auf. In den 1980er-Jahren ließen dann die „Fohrenbihl Musikanten“ aufhorchen.

Heute: Klein aber fein

Im Jahr 2021 gehören der Trachtenkapelle 25 aktive Musikerinnen und Musiker an. Das Bemerkenswerte der „kleinen aber feinen“ Kapelle: Das Durchschnittsalter aller aktiven Musikerinnen und Musiker beträgt gerade einmal 22 Jahre. „Dies spricht für unsere erfolgreiche Jugendarbeit, welche die Zukunft der Trachtenkapelle sichern soll“, heißt es dazu auf der Internetplattform des Musikvereins. Und in der Tat, die Weichen für eine erfolgreiche Jugendarbeit wurden bereits in den 1980er-Jahren gestellt. Seit 1981 gibt es eine Jugendgruppe. Und sieben Jahre später wurde beschlossen, dass künftig eine Jugendordnung als untergeordnete Gruppe im Verein eingeführt werden soll. Als Grundlage dient seinerzeit die Jugendordnung des Kippenheimer Musikvereins. Die Vereinssatzung wurde entsprechend geändert. Seither gehört der Jugendleiter beziehungsweise die Jugendleiterin zum Vorstand des Musikvereins. Und schon bald konnte der Nachwuchs auch erste musikalische Erfolge erzielen. Und bei den Zöglingen hatte man sich zum Ziel gesetzt, dass alle das Jungmusiker-Leistungsabzeichen in Bronze erlangen. Im Jahre 1994 wurde erstmals eine musikalische Früherziehung in Zusammenarbeit mit der Grundschule angeboten.

Und wie ging es musikalisch im neuen Jahrtausend bei den Aktiven weiter? Im Dezember 2006 kam Wolfgang Bast aus Reichenbach lebend als Dirigent. Ein Vollblutmusiker, der bereits schon als 16-Jähriger bei der Stadtkapelle Saarlouis den Taktstock schwang. Bast, der auch gebürtig aus Saarlouis stammt und dort aufgewachsen ist, leitete sieben Jahre in Dörlinbach die musikalischen Geschicke. Seinen letzten Auftritt hatte Wolfgang Bast mit den Dörlinbacher Musikerinnen und Musiker bei der Christmette 2013 in der Sankt-Johannes-Kirche. Der Fokus war fortan wieder auf die Suche eines neuen Dirigenten beziehungsweise einer neuen Dirigentin gerichtet. Zweitweise leitete die Jugendleiterin und Vize-Dirigentin Theresia Zehnle die Kapelle. Im Mai 2015 schlug erstmals Annette Tafler aus Reichenbach als neue Dirigentin den Ton bei den Proben an.

Doch die Liaison zwischen Tafler und den Dörlinbacher Musikerinnen und Musiker sollte nicht von langer Dauer sein. Und so kam es, dass bei einem Kirchenkonzert im November 2016 mit Maik Bartkowiak erneut ein neues Gesicht am Dirigentenpult stand. Der Meißenheimer brachte wieder Konstanz in die Reihen und ist bis heute für das musikalische Erscheinungsbild der Dörlinbacher verantwortlich. Mit dem damaligen Auftritt in der Dorfkirche knüpfte übrigens die Trachtenkapelle (nach fast dreijähriger Pause) an ihre Tradition der erfolgreichen Kirchenkonzerte an. Aber nicht nur im musikalischen Bereich, auch im Vorstand gab es an der Spitze Veränderungen. Im Februar 2014 wurde Gerhard Himmelsbach zum neuen Vorsitzenden gewählt. Zuvor hatte Andrea Schwörer fünf Jahre lang als erste Frau den Vorsitz inne. Himmelsbach steht bis heute dem Musikverein vor.

Auch wenn die Volkstanzgruppe mangels interessierter Mitglieder heute nicht mehr aktiv ist, so hat die Gruppe seinerzeit zu einer Namensänderung des Vereins beigetragen. Denn von 1989 an führte der Verein den Namen „Musikverein Trachtenkapelle Dörlinbach mit Volkstanzgruppe“ (der Zusatz „mit Volkstanzgruppe“ wurde später wieder gestrichen).

Pro-Musica-Plakette

Der Musikverein hat schon immer das kulturelle Leben im Ort entscheidend mitgeprägt. Dazu trugen neben der Mitgestaltung kirchlicher Feste und Festtage, von Vereinsjubiläen und sonstigen Anlässen auch dessen zahlreiche Theaterveranstaltungen (seit 1910) sowie eigenen Zeltfeste und große Jubiläen bei. Das größte Fest für den Verein dürfte aber sicherlich die 100-Jahr-Feier im Juni 2008 gewesen sein. Damals verlieh Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau dem Musikverein Trachtenkapelle Dörlinbach für die vielfältigen Verdienste die Pro-Musica-Plakette. Dies ist die höchste Auszeichnung, die einem Musikverein in Deutschland für dessen Verdienste um Musik und Kultur im Ort verliehen werden kann.

Mit dem Jubiläumswochenende zum 100. Vereinsgeburtstag war zugleich die Ausrichtung des 31. Ortenauer Kreistrachtenfestes verbunden. Dies bescherte dem Musikverein und der ganzen Dorfgemeinschaft sowie den weit über 1000 Gästen aus der gesamten Ortenau einen farbenprächtigen Umzug mit insgesamt 61 Gruppen, darunter 21 Musikkapellen und drei Bürgerwehren. Rund 3000 Trachtenträgerinnen und -träger boten damals ein beeindruckendes Bild in Dörlinbachs Straßen. Die 100-Jahr-Feier des Musikvereins beim Sportplatzgelände war zugleich eines der letzten großen Zeltfeste im Ort – bislang zumindest.

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