Ein kleiner Draht brachte eine mächtige Tanne“zu Fall“

 

 

Egal ob man sie als markant, erhaben oder als Charakterbäume bezeichnet. Derer gab und gibt es einige in Dörlinbach. Bäume, die einst das Ortsbild prägten beziehungsweise heute noch prägen. Zu jenen, die inzwischen der Motorsäge zum Opfer fielen, gehörte zweifelsohne die Tanne im hinteren Bereich des Schulwegs, die einst an einer Grundstücksgrenze in der Hauptstraße stand.

Die mächtige Tanne in der Haupstraße zwischen den Anwesen Nr. 11 und 12. Sie wurde durch eine Nachlässigkeit zum Sicherheitsrisiko und musste deshalb im Jahre 1994 gefällt werden.

Schon von weither war sie zu sehen, wenn man in den Ort einfuhr, ob von Norden oder Süden. Sie fiel aufgrund ihrer außergewöhnlichen Silhouette sofort ins Auge. Während die Tanne zu einem stattlichen Baum heranwuchs, wurden nämlich immer wieder Astungen vorgenommen. Dadurch waren über die Jahre hinweg gut zwei Drittel des Stammes astfrei geworden, nur das obere Drittel blieb mit Ästen ausgestattet.

Ortsprägende Bäume gibt es heute im Jahre 2021 in Dörlinbach noch einige zu bestaunen. So wie dieser mächtig große Nadelbaum im Oberdorf bei dem leerstehenden Haus, das sicherlich manch einer beziehungsweise manche eine noch unter der Bezeichnung „s'Isebernharde“ kennt.
Auch diese Tanne im Mühlweg beim Anwesen Singler ist eigentlich aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken. Sie steht ebenfalls schon viele Jahrzehnte gegenüber dem Gasthaus „Zum Engel“ und würde übrigens einen guten Weihnachtsbaum abgeben. Allein es fehlt die Beleuchtung in der besinnlichen Jahreszeit.

Die Tanne, die im Jahre 1950 anlässlich der Hochzeit von Alois (1926 bis 2000) und Theresia Schätzle (1925 bis 1999) in deren Vorgarten gepflanzt wurde, prägte über vier Jahrzehnte das Ortsbild mit. Allerdings erst so richtig, als sie vom Vorgarten an die obere Grundstücksgrenze umgepflanzt wurde und zu einem mächtigen Baum heranwuchs. Zwischen den Jahren 1992 und 1994 kam es zu Umbaumaßnahmen an den Häusern der Anwesen Schätzle und Fischer. Beim Haus der Schätzles wurde angebaut, kurz zuvor wurde bei Fischers aufgestockt. Und diese Aufstockung brachte letztlich das spätere Aus für die mächtige Tanne. Denn im Zuge dieser Maßnahme musste ein Kabel umgeleitet werden. Dieses wurde für die Zeit der Bauarbeiten vom Elektriker an der Tanne auf halber Höhe befestigt. Nach Abschluss der Arbeiten wurde zwar das am Stamm der Tanne befestigte Kabel wieder abgehängt, aber der ausführende Handwerker vergaß die Drahtbefestigung mit zu entfernen. Zunächst fiel dem Besitzer der Tanne noch sonst wer dieses Missgeschick des Handwerkers auf. Wochen und Monate vergingen.

Als der vergessene Draht endlich entdeckt wurde war es für die Tanne leider zu spät. Der Draht hatte inzwischen den Stamm regelrecht abgeschnürt – die Tanne war deshalb zu einem Sicherheitsrisiko geworden. Schweren Herzens musste somit ein Baum gefällt werden, der freistehend über viele Jahre hinweg so manchem schweren Sturm getrotzt hatte. Auch Blitze, die hin und wieder in unmittelbarer Nähe einschlugen, konnten der mächtigen Tanne nichts anhaben. Und nun brachte ein kleiner unscheinbarer Draht die gut zwölf Meter große Tanne „zu Fall“. Die Fällung war natürlich ein Spektakel und für die damit beauftragten Wanglerbauern eine echte Herausforderung. Denn zu jener Zeit standen entlang des Schulwegs noch mehrere große Birken. Und genau in diese Richtung musste die Tanne fallen, da sich ja auf der anderen Seite zur Hauptstraße hin die mittlerweile umgebauten Wohnhäuser befanden. Wilhelm und Matthias Wangler leisteten letztlich Maßarbeit, die Tanne ging krachend zwischen den Birkenreihen nieder ohne diese in Mitleidenschaft zu ziehen.

Große, markante Tannen sind im Ort auch heute noch vielerorts zu finden. Unter anderem im Oberdorf bei einem leerstehenden Haus („s’Isebernharde“), zugleich die wohl älteste und größte Tanne innerorts, sowie in Richtung Schulweg beim Anwesen Meßner. Ebenso im Mühlweg beim Anwesen Singler.

Birken-Boom in den 1970er- und 1980er-Jahren

Jede Baumart hat ihren Reiz. Schnell ins Auge sticht sicherlich die weiße Borke einer Birke. Und von denen gab es von Mitte der 1970er-Jahre reichlich innerorts. Zunächst in und an den Freizeitanlagen, später auch entlang der Hauptstraße, im hinteren Bereich der Schulstraße, in der Außenanlage der Schule sowie bei der Festhalle. Der weit bekannte Baum machte seinerzeit in Dörlinbach so richtig „Karriere“. Die Wahl fiel sicherlich auch deshalb auf Birken, weil sie schnell heranwuchsen. Sie waren schön anzusehen, aber beliebt sind sie nicht bei allen gewesen, zumal Birken bekanntlich auch große Pollenmengen produzieren. Zum Ende des alten Jahrtausends verschwanden innerorts die Birken allmählich, wurden durch andere Bäume ersetzt. Zuletzt mussten auch einige der Ortsbild prägenden Birken an der Hauptstraße zwischen der Dorfmitte und dem Sandplatz entfernt werden – krankheitsbedingt.

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