Ältester Verein im Ort

Die Geschichte des ältesten Vereins im Ort beginnt am 12. Mai 1907 und liest sich für heutige Verhältnisse sehr ungewohnt und streng. An jenem Tag trafen sich 19 sportbegeisterte Bürger im Gasthaus „Löwen“ zur Gründungsversammlung. Nach den in dieser Versammlung festgelegten Statuten sollte der Verein den Namen „Radfahr-Verein Schutterbund“ führen. Als Zweck wurde die „Förderung des Radsports“ sowie die „Gemütliche Unterhaltung“ genannt.

Der Radfahrverein wurde 1907 gegründet

Die Aufnahme in den Verein sowie auch der Austritt eines Mitglieds unterlagen damals strengen Regeln. Das Mitglied musste sich unter anderem verpflichten, dem Verein mindestens zwei Jahre anzugehören. Bei einem vorzeitigen Austritt ohne triftigen Grund musste der Betreffende zehn Mark berappen. Nach den Statuten schuf die Veranstaltung auch eine sogenannte „Fahrordnung“ für Vereinsfahrten. Demnach wurde auch die Zusammensetzung der Fahrkolonne festgeschrieben. Weiter durfte die Fahrgeschwindigkeit höchstens 15 Kilometer pro Stunde betragen. Durch die Ortschaft durfte zudem nur einreihig mit einem Abstand von zwei Radlängen in mäßigem Tempo gefahren werden. Das Vorfahren über die Kolone hinaus wurde nur in dringenden Fällen gestattet, wobei der Vorausfahrende mit „Komme links“ anzurufen war.

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Aus den Wahlen bei der Gründungsversammlung ging Josef Grimm als Vorsitzender hervor. Schon nach traten die Dörlinbacher Radsportler zu den Veranstaltungen in einheitlicher Kleidung an. Im Jahre 1910 übernahm Anton Faißt den Vorsitz, den er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs inne hatte. Unter seiner Führung nahm der Verein erstmals an den zur damaligen Zeit noch häufig in der Region stattfindenden Radsport-Wettbewerben teil. In drei Disziplinen wurde damals gestartet: Rennfahren, Langsamfahren und Formationsfahren. Letzteres wird heutzutage Korsofahren genannt. Ein erster sportlicher Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: Bei einem Wettbewerb in Seelbach holte sich der Verein im Jahre 1910 einen ersten Platz. Im Jahr darauf trug der Verein erstmals eigene Wettbewerbe aus. In alten Protokollbüchern ist dazu nachzulesen, dass am 21. Mai 1911 um fünf Uhr morgens das erste Radrennen zum Hubhof bei Wittelbach und zurück gestartet wurde. Das Rennen fand im Rahmen eines Festes statt, dessen Höhepunkt jedoch der anschließende Festzug und das damit verbundene Formationsfahren war. Zudem erfolgte an diesem Tag die Fahnenweihe. Der Banner begleitete fortan den Verein bei wichtigen Anlässen und Veranstaltungen.

 

Schon 1913 zählte der Verein rund 60 Mitglieder, die nahezu alle auch im Verein tätig waren. Das Ungewöhnliche für die damalige Zeit war jedoch, dass zahlreiche Frauen dazu gehörten, wie unter anderem auch das Bild anlässlich der Fahnenweihe eindrucksvoll belegt. Im Jahre 1914 wurde dann mit dem Kriegsbeginn die Vereinstätigkeit jäh unterbrochen. Nach den Wirren der Nachkriegszeit fanden sich erst im Jahre 1920 wieder Frauen und Männer für einen Neubeginn zusammen. Hermann Billharz übernahm den Vorsitz und übte dieses Amt bis ins Jahr 1938 aus. Für ein Jahr leitete dann der langjährige Stellvertreter Josef Stöhr (Unterrain) die Geschicke des Vereins bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Herbst 1939. Zugleich rettete Stöhr das Eigentum des Vereins, darunter zahlreiche Pokale, über die nachfolgenden Kriegsjahre hinweg.

 

Das Vereinsleben kam zu Beginn des Krieges völlig zum Erliegen. Erst am 23. März 1953 fand die erste Versammlung des Radfahrvereins in der Nachkriegszeit statt. 40 Männer bekundeten an diesem Tage ihre Mitgliedschaft, aber keine einzige Frau war dieses Mal beim „Neustart“ dabei. Den Vorsitz übernahm Hermann Faißt, der bis zu seinem Tode im Jahre 1970 die Geschicke des Vereins lenkte. 1970 übernahm dessen bisheriger Stellvertreter Andreas Reith das Ruder des Dörlinbacher Radfahrvereins. Trotz anhaltender Nachwuchsprobleme im sportlichen Bereich, die seit der Neugründung zu verzeichnen waren, war erstmals ein eine Aufwärtsentwicklung im Verein erkennbar. Nach zehn Jahren im Amt gab Reith den Vorsitz an Walter Hollstein ab, der letztlich die erhofften neuen Impulse in die Reihen des Vereins brachte. Neben dem Kunst- und Korsofahren kam nun auch noch die Abteilung Wandern hinzu. Die Wandergruppe hatte letztlich die Idee, in Dörlinbach eigene Wandertage zu veranstalten. Hollstein etwas skeptisch, aber er ließ die Gruppe gewähren – auf eigenes Risiko. Und so kam es zu den ersten Internationalen Volkswandertagen im Schuttertal. Es war ein voller Erfolg, denn an der ersten Veranstaltung konnten 1662 Teilnehmer registriert werden. Die Internationalen Volkswandertage fanden fortan jedes Jahr im Oktober statt. Lediglich im Jahr 2020 musste die Volkssportveranstaltung wegen der Pandemie gestrichen werden.

 

Im März 1985 wechselte der Vorsitz erneut. Hermann Rothweiler über nahm zu einem Zeitpunkt, als dem Verein rund 30 Korsofahrerinnen und -fahrer hatte. Der Aufwärtstrend hielt an. Unter anderem wuchs die Wandergruppe zeitweilig bis auf 60 Mitglieder an. Zudem kam der Verein im obersten Geschoss der Alten Schule zu einer eigenen Bleibe, die „Radlerstube“ genannt wurde. Rothweiler gab im Frühjahr 1993 den Vorsitz an Helmut Völker ab. Der Schwerpunkt lag fortan auf der Korsoabteilung, die mehrere Bezirksmeisterschaften einfahren konnte. Und natürlich auf der Wandergruppe und den eigenen Volkswandertagen. Die Kunstradabteilung, die immerhin auch Bezirksmeister hervorbrachte, musste wegen Nachwuchsproblemen aufgelöst werden.

 

Im Jahre 2013 übernahm Irmgard Ohnemus den Vorsitz. Keine leichte Aufgabe, zumal es zu jenem Zeitpunkt auch Querellen im Verein gab. Diese konnten jedoch geräuschlos beigelegt werden. Mit ein Verdienst der neuen Vorsitzenden, die 2017 noch einmal eine Unstimmigkeit innerhalb des Vorstands glätten musste. Im Verein selbst galt das Augenmerk insbesondere auf der zu jenem Zeitpunkt überaus aktiven Wandergruppe und auf den Volkswandertagen im Herbst. Nach 26 Jahren Vorstandstätigkeit, davon sechs Jahre als Vorsitzende, war letztlich Schluss für Ohnemus. Sie gab die Vereinsspitze im August 2019 an Gerhard Schmidt ab. Der Neue führte sogleich einen Radler- und Wandertreff an der Prinschbachhütte ein. Bei diesen Treffs soll Mitgliedern und Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, sich zu informieren und sich über Rad und Wandern auszutauschen.