Sie liebte die Kinder und hatte immer einen Rat

 

 

Als Schönstätter Marienschwestern wirkten einige Dörlinbacher Frauen in der Caritas, aber auch in der Mission weltweit. Zu den bekanntesten zählt zweifelsohne Schwester Maria Fiatis Schätzle (1923 bis 1993), die über vier Jahrzehnte in Südamerika wirkte. Im Jahre 1949 wurde sie vom Urheiligtum in Vallendar ausgesandt, um in Argentinien und in Uruguay am Aufbau des Schönstattwerkes mitzuwirken.

Schwester Renatis (links) besuchte immer gerne die Missionsbasare in Dörlinbach wie hier zusammen mit einer Mitschwester am ersten Adventsonntag 2008.

Es gab aber auch Schönstattschwestern, die aus einer anderen Ecke Deutschlands kamen und hier bei uns im Schuttertal, bei uns im Ort wirkten, und sicherlich unvergesslich bleiben werden. Dazu gehört Schwester Maria Renatis Elfriede Reißmüller (1922 bis 2020), die sich als ältestes von vier Kindern zwei Jahre bevor Schwester Fiatis ihre Heimat in Richtung Südamerika verließ dazu entschloss, Ordensfrau zu werden.

Schwester Renatis besuchte auch nach ihrer aktiven Zeit immer gerne die Dörlinbacher Missionsbasare wie hier am ersten Advent 2008.
Schwester Renatis beim Dörlinbacher Missionsbasar 2008 am Stand der Frauengemeinschaft.

Die aus Waldstetten bei Schwäbisch Gmünd stammende Elfriede Reißmüller trat 1947 in das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern ein. Fast fünf Jahrzehnte arbeitete Schwester M. Renatis Reißmüller (so ihr Schwesternname) als Gemeindereferentin, wovon sie die letzten zwölf Jahre ihres Berufslebens im Schuttertal und somit auch in Dörlinbach verbrachte. Von Anfang an fühlte sich Schwester Renatis im Schuttertal wohl. Als sie im September 1995 verabschiedet wurde, meinte die damals 72-Jährige, dass ihre Dienstjahre in den Gemeinden des oberen Schuttertals wohl die schönste Zeit in ihrer 47-jährigen Tätigkeit als Gemeindereferentin gewesen seien.

Zuvor war die gebürtige Waldstettenerin knapp drei Jahrzehnte in der Landesmetropole Stuttgart, zwei Jahre in Rottenburg am Neckar und sechs Jahre in Blocksberg bei Bad Mergentheim tätig. Im März 1984 kam die kleine zierliche Ordensfrau ins Schuttertal. Hier wurde sie von Anfang an im Religionsunterricht in den Schulen in Schuttertal und Dörlinbach eingesetzt. Später gab sie auch Aushilfsstunden an der Schule in Schweighausen. Zur Entlastung des damaligen Schuttertäler Ortsgeistlichen, Pfarrer Karl Dufner, übernahm sie im Jahre 1990 zusätzlich die anfallenden Tätigkeiten im dortigen Pfarrbüro. Bis zu dem Zeitpunkt, als Pater Josef Palakkattukunnel als neuer Ortsgeistlicher ins Schuttertal kam, widmete sie sich zudem auch noch der Jugendarbeit in Schuttertal und Dörlinbach. Tätigkeiten die sie gerne verrichtete. Ja man kann sagen, Schule und Jugendarbeit hat ihr immer sehr viel Spaß gemacht.

I mag sie halt alle!“

Sie sagte einmal rückblickend auf ihre Zeit im Schuttertal: „Es gab keine einzige Schulstunde, in der ich missmutig war – auch nicht danach. Und wenn es einmal Probleme gab, wurden diese vor Ort geklärt. Ich habe mir nämlich immer vorgenommen, kein Klassenzimmer zu verlassen, ohne dass es gut ist.“ Schwester Renatis machte es auch nichts aus, wenn mal gestritten wurde. Ihre Art damit umzugehen zeichnete sie auch schon vor ihrer Zeit in Schuttertal und Dörlinbach aus. So fragte sie einmal ein Geistlicher an einer früheren Arbeitsstätte, wie sie das immer wieder mit den Kindern und Schülern auf die Reihe bringe. Sie entgegnete jenem Pfarrer schlicht und einfach: „I mag sie halt alle!“

Auch nach Ende ihrer offiziellen Dienstzeit blieb Schwester Renatis dem Schuttertal treu. Schließlich war ihr „Ruhesitz“, wenn man so will, gleich um die Ecke. Denn Schwester Renatis ging eigentlich nie wirklich fort. Mit 72 Jahren war für sie damals nur der Zeitpunkt gekommen, etwas weniger zu arbeiten. Auf Dauer wurde ihr die Arbeit als Gemeindereferentin im Tal und an ihrer Wohnstätte im Schwesternhaus auf dem Schönberg einfach zu viel. Und so widmete sich Schwester Renatis von da an schwerpunktmäßig ihren Aufgaben auf dem Schönberg. Aber immer wenn sie im Schuttertal gebraucht wurde, half sie selbstverständlich aus.

Schönste Zeit im irdischen Leben

Und das tat sie auch immer wieder gerne. Das kündigte sie auch schon beim Abschied mehrmals an: „Es war einfach schön, hier zu sein! Ich werde die Schuttertäler, vor allem die Kinder, sicherlich nie vergessen. Und übrigens – ich bin ja schnell unten!“ Auch kam ihr damals noch einmal über die Lippen, dass sie Gott danke für die fast zwölf Jahre, die sie hier wirken durfte. „Es war vielleicht meine schönste Zeit im irdischen Leben.“

Den Menschen in Schuttertal und Dörlinbach konnte sie noch viele Jahre nahe sein. Wann immer es ihre Tätigkeit auf den Schönberg zuließ, kam sie wie angekündigt runter, half aus oder kam einfach so zu einem Besuch vorbei. Immer zugegen war sie alljährlich bei den Dörlinbacher Missionsbasaren, mit deren Erlöse die Arbeit von ihrer aus Dörlinbach stammenden Mitschwester M. Fiatis Schätzle in Argentinien unterstützt wurde. Für sie war dieser Tag immer auch deshalb willkommen, weil er ihr reichlich Gelegenheit bot, viele Leute aus ihrer früheren Gemeindearbeit zu treffen. Zwar verstarb Schwester Fiatis bereits im Juli 1993, aber die Armenhilfe Argentinien, bestehend aus Familienangehörigen und Freunden, hat bis ins Jahr 2009 mit den Missionsbasaren den Hilfsbedürftigen an ihrer letzten Wirkungsstätte im argentinischen San Isidro Unterstützung zukommen lassen (siehe dazu auch Blog-Beitrag „Dörlinbacher Missionsbasar“).

98 Jahre alt

Mitte 2014 hieß es für Schwester Renatis endgültig Abschied zu nehmen von den Menschen im Schuttertal sowie auch dem Schwesternhaus auf dem Schönberg und der dortigen Kapelle Maria Königin. Denn aus gesundheitlichen Gründen kam sie ins Provinzhaus auf die Liebfrauenhöhe. Ende Dezember 2020 starb die überaus beliebte Schwester im Alter von 98 Jahren.

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