Von drei Großbränden heimgesucht

Der Wanglerhof im Wurzgraben gehörte früher einmal zusammen mit dem Mattesenhof (Schulzenhansenhof am Kapellenberg) und dem Jägertonihof im Prinschbach zu einem riesigen Hofgut. Der Hof muss früher allerdings einmal an einem anderen Ort gestanden haben. Vermutlich näher bei der Dorfmühle im Mühlweg. Denn in der Schweighausener Pfarrchronik heißt es nämlich, dass am 26. August 1776 morgens gegen zwei Uhr der Hof des Wanglerbauers in Dörlinbach, der „grad von der herrschaftlichen Mühle herüber stunde“, in Brand geraten sei. In nur wenigen Stunden sei der Hof bis auf den Boden abgebrannt gewesen. Dass Hof und Mühle einst näher beisammen standen als heute belegt auch die Aussage: „Die Mühle stand sehr in Gefahr auch ein Raub der Flammen zu werden“. Weiter steht geschrieben, dass die Schuttertäler sich sehr hilfsbereit und nachbarlich in diesem schicksalhaften Moment gezeigt hätten.

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Der Brand fällt noch in die Zeit von Josef Wangler, der übrigens vom Jägertonihof abstammt, und zwar elf Jahre vor dessen Tod. Er könnte der erste Wangler-Bauer gewesen sein. Dies ist jedoch nicht eindeutig gesichert. Der erste Wangler-Bauer könnte aber auch sein Sohn Christian Wangler gewesen sein, der zum Zeitpunkt der tragischen Brandnacht 1776 gerade einmal 15 Jahre alt war. Somit ist die Familie Wangler je nach Ansicht seit neun beziehungsweise zehn Generationen auf dem Hofgut zuhause (Stand 2021). Bereits 1848 musste die Familie von Andreas und Agnes Wangler einen erneuten Vollbrand miterleben. Abermals musste das Hofgut neu aufgebaut werden.

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Die nachfolgenden Generationen blieben von Brandkatastrophen verschont bis ins neue Jahrtausend hinein. Doch dann kam die Feuersbrunst erneut auf den Hof zurück. Die Tragödie brach über die Familie während einer Geburtstagsfeier – der 67. Geburtstag von Alt-Bauer Wilhelm Wangler – herein. Es war an einem Donnerstagabend im April. Genau gesagt am 11. April 2002 als um 19.18 Uhr die Sirenen die Geburtstagsgäste, die nichts ahnend fröhlich beisammen saßen, und die Leute im Schuttertal aufschreckten. Das Feuer war in einem Heulager ausgebrochen und bereitete der gerade stattfindenden Familienfeier ein jähes Ende. Schnell war der ganze Ort auf den Beinen. Viele helfende Hände waren herbeigeeilt, um noch etwas vom Hab und Gut zu retten. Doch die gierigen Flammen ließen den Helferinnen und Helfer kaum eine Chance.

Das Problem für die vielen Helfer und für die anrückenden Einsatzkräfte war gespenstisch. Denn Ziegel folgen teils wie Geschosse durch die Gegend. Ein Szenario wie auf einem Schlachtfeld. So hatten auch die Feuerwehren aus dem gesamten Schuttertal (von Schweighausen bis Lahr) zunächst nur wenig Spielraum, um das immer mächtiger werdende Feuer einzudämmen. Das Hauptaugenmerk lag somit erst einmal darauf den angrenzenden Neubau abzuschirmen und das Großvieh zu retten. Durch das beherzte Engagement der Dörlinbacher sowie den ersten Einsatzkräften konnten die 54 Kühe und sechs Schweine allesamt gerettet werden. Ein Feuerwehrmann aus Lahr zeigte sich besonders beeindruckt von dem Engagement der Dörlinbacher. „Wie hier die Dorfgemeinschaft zur Hand geht, mitfühlt und mitleidet, das hat mich schon beeindruckt.“

Die ganze Nacht über mussten immer wieder Glutnester bekämpft werden. Am Morgen danach war dann der Wanglerhof total ausgebrannt. Der stattliche Hof wurde ein Raub der Flammen und verschwand zunächst aus dem Ortsbild. Er konnte jedoch sehr rasch wieder aufgebaut werden und ist heute wieder ein Blickfang – vor allem wenn man von hoch oben von der Ostseite (beispielsweise vom Kapellchen aus) gen Westen blickt.

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